Beispiele

Einleitung

Ach besitzt eine ganze Tonne von Schachpositionen, etwa 10 hoch 120 Stück, die ausgehend von der Grundstellung mit Weiß am Zug erreicht werden können (die so genannten regulären Schachpositionen). Sie sind kaum zu zählen. Das Alter des Universums reicht nicht aus, würde man je Sekunde eine Position zählen. Denn das ergibt – je nach Alter des Universums von etwa 12 bis 15 Milliarden Jahren, nur 12 x 1000 000 000 x 365 x 24 x 60 x 60 Positionen. Im Vergleich zu 10 hoch 120 liegt diese Zahl wohl eher bei Null. Einige Positionen, etwa die folgende

Eine nicht-reguläre Position: Möglicherweise vom Typ [=/=)

gehören nicht in Achs Tonne. Sie müssen in eine andere Tonne geklopft werden, die Tonne der nicht-regulären Positionen. Aber das ändert nichts Grundsätzliches.

Eine (=/+]-Position

Die folgende Position (Übungsaufgabe 2-98 nach D. Gurgenidze) stammt aus  dem Buch  Recognizing Your Opponent´s Resources – Developing Preventive Thinking von M. Dvoretzky.

Diagramm 1

In dieser Position ist Weiß am Zug. Achs Lupe (5-Steiner Datenbank!) zeigt an: Remis, also =. Allerdings droht Schwarz zu gewinnen: +. Es liegt eine (=/+]-Position vor, da Weiß am Zug ist.  Könnte Schwarz diese Stellung durch  Umkehr des Zugrechts erreichen, läge eine [=/+)-Position vor: Also eine – bitte nicht erschrecken – Nullzugsposition mit Vorteil für Schwarz. Allerdings funktioniert die Zugrechtübertragung nur durch Unterstützung von Weiß. Es gibt leider – wie in der zitierten Quelle behauptet – kein Gewinnmanöver seitens Schwarz, das zu erreichen. Gewinnmanöver gibt es, wenn überhaupt, nur in bereits gewonnenen Stellungen (also als Folge eines gegnerischen Fehlers).

Mit 1. Ta3+, dem einzigen Zug von insgesamt 22 Zügen, der das Remis hält, steht Schwarz vor der Wahl, seinen König nach b1 oder nach b2 zu ziehen. Dvoretzky gibt diesem Zug irrtümlich ein Fragezeichen, obwohl er, wie auch Kb2, ein Remiszug ist.  Nach den weiteren Zügen 1 … Kb2 2. Tg3 e3 3. Kd5 Kc2 4. Ke4 Kd2 5. Th3 kommt es zur folgenden Stellung (die farbigen Felder können zunächst ignoriert werden; Auf Feldern mit einem Kreuz darf der König der nicht am Zug befindlichen Seite – hier also der weiße König – nicht stehen):

Diagramm 2

Hätte Weiß statt 2. Tg3 in der obigen Hauptvarianten den Zug 2. Th3? gespielt, den mit Recht ein Fragezeichen ziert, weil er ein Verlustzug ist, dann ergibt sich nach 2 … e3 (oder c2) 4. Ke4 Kd2 dieselbe Position wie die vorhergehende, jedoch mit Weiß am Zug:

Diagramm 3

In dieser Position hat Schwarz (nach wie vor nach dem Fehler von Weiß im zweiten Zug, also durch 2. Th3) auf jeden beliebigen Zug von Weiß einen Gewinnzug. Dazu bemerkt Dvoretzky nun:  Das Gewinnmanöver wurde nur dadurch möglich, dass der weiße Turm die h-Linie verlassen musste. Das ist nicht korrekt, und es klingt so, als hätte Schwarz nur das richtige Manöver finden müssen, um zu gewinnen: Der Fehler liegt allein in der Tatsache begründet, dass der Zug 2. Th3 ein absoluter Fehler ist. Die Fehlerbreite beträgt einen Halbzug!

Auch Dvoretzkys Kommentar, im nachfolgenden Diagramm läge beiderseitiger (reziproker) Zugzwang (mutual Zugzwang) vor, ist falsch. Es geht vielmehr um einseitigen Zugzwang, und das auch nur in der vorhergehenden Position (Diagramm 3) mit Weiß am Zug.

Diagramm 4

Nun zu den farbigen Feldern: Steht der weiße König in Diagramm 2 auf einem der grünen Felder, dann steht Schwarz am Zug auf Gewinn. Steht er auf dem einzigen gelben Feld e4, dann kann er das Remis halten.

Im Diagramm 3 hat Weiß nur mit einem König auf den sechs gelben Feldern in unmittelbarer Nähe des schwarzen Bauern d3 die Möglichkeit, die Partie Unentschieden zu halten. Auf allen anderen Feldern steht der weiße König mit Weiß am Zug auf verlorenem Posten.

Diagramm 4 fasst die Ergebnisse der Diagramme 2 und 3 über den Farbcode auf der Seite Wörterbuch zusammen! Der weiße König befindet sich auf dem Feld e4 in einer Ausnahmeposition: Weiß am Zug verliert,  Schwarz am Zug kann höchstens ein Remis halten. Es handelt sich also um eine (/=)-Position. Mit Weiß am Zug (s. Diagramm 3) liegt eine Zugzwang-Position mit einseitigem Zugzwang für Weiß vor.

Randbemerkungen

Auch der Einfluss der Ränder eines Schachbrettes auf die objektive Bewertung einer Position lässt sich anhand der Position aus den Diagrammen 2 bis 4 durch farbige Felder zeigen. Zugleich relativieren die gezeigten Diagramme Begriffe wie den Wert einer Figur oder die Bedeutung eines Feldes.

Diagramm 5

Wird der gesamte Figurenkomplex in den nachfolgenden Diagrammen 5 – 7  mit dem weißen König als Leitfigur verschoben (also nicht, wie in den Diagrammen 2 bis 4 nur der weiße König), so ändert sich der Wert der neuen Stellung so, wie es die farbigen Felder anzeigen: Mit einem weißen König auf e4 kann Weiß trotz des bei Schwarz liegenden Zugrechts die Partie remis halten. Alle anderen Positionen mit diesem Figurenkomplex sind mit Schwarz am Zug gewonnen. Offensichtlich sind Aussagen, wie der Wert eines Bauern steigt mit der Nähe zum Umwandlungsfeld, nicht immer gültig!

Im nächsten Diagramm wird die Position aus weißer Perspektive betrachtet.  Befindet sich die Leitfigur des Figurenkomplexes auf einem der roten Felder, steht Weiß am Zug auf Verlust. Befindet sie sich hingegen auf einem der gelben Felder, kann Weiß am Zug die Stellung unentschieden halten.

Diagramm 6

Diagramm 7 fasst schließlich die Aussagen der Diagramme 5 und 6 über den Farbcode aus dem Menupunkt Wörterbuch zusammen.

Diagramm 7

Ach meint, wen diese Diagramme mit wenigen Steinen nicht verwirren und keinen Zweifel an der Gültigkeit des einen oder anderen Prinzips oder Kommentars in komplexeren Positionen aufkommen lassen, dem ist nicht zu helfen!

Ein 7-Steiner mit 6 verschiedenen Steinen

Ach möchte die Problematik des Geschichtenerzählens an einem 7-Steiner verdeutlichen, der neben den beiden Königen von jeder Steinart einen Stein  enthält. Es handelt sich um eine (=/+)-Position: Weiß am Zug kann also die Partie unentschieden halten, Schwarz am Zug kann sie gewinnen.

Diagramm 8: Eine (=/-)-Position

Verschiebt Ach den gesamten Figurenkomplex mit dem weißen König als Leitfigur, findet er eine schöne Geschichte (oder Regel): Je näher der weiße Bauer dem Umwandlungsfeld auf der 8. Reihe (Achs Lieblingsreihe für seine Bauern) ist, desto besser für Weiß. Allerdings würde Ach das so nicht formulieren, weil es zuviele Ausnahmen gibt. Würde Ach die alle aufzählen, verlöre die Regel ihren Regelcharakter (oder die Geschichte ihren Sinn). Aus diesem Grund ist Ach ein Skeptiker, was Regeln betrifft.

Diagramm 9: Positionstyp in Abhängigkeit von der Lage des Figurenkomplexes (Leitfigur: Weißer König)
Diagramm 10: Wert der Position mit Weiß am Zug in Abhängigkeit von der Lage des Figurenkomplexes (Leitfigur: Weißer König)
Diagramm 11: Wert der Position mit Schwarz am Zug in Abhängigkeit von der Lage des Figurenkomplexes (Leitfigur: Weißer König)

Noch verrückter wird die Sache, wenn Schwarz die Frage beantworten muss, wo denn sein König zu platzieren ist, damit er für den Fall, dass Weiß am Zug ist, nicht auf Verlust steht (s. dazu auch die Partie Nimzowitsch – Capablanca, NY 1927, vor dem 36. Zug von Nimzowitsch). Von den beiden Plätzen c6 und f3 ist c6 wohl der verständliche Platz: Steht der schwarze König auf diesem Feld, steht Schwarz unabhängig vom Zugrecht auf Gewinn. Steht er auf f3, ist die Sache nicht so einfach zu erklären, warum er hier so gut steht. Jedenfalls für Ach.

Diagramm 12: Positionstyp in Abhängigkeit von der Position des schwarzen Königs

Wenn sich in Positionen mit nur 7 Steinen die Dinge bereits so komplex darstellen, was wird dann von Positionen mit mehr als 7 Steinen erwartet?

Die nachfolgenden Diagramme zeigen noch die Sichtweisen einmal aus weißer und einmal schwarzer Sicht. Im ersten Diagramm darf der schwarze König bei Zugübergabe an Weiß nicht auf einem der Felder b7, b6, a1 oder g5 platziert sein. Alles klar? Im letzten Diagramm schließlich sollte der schwarze König sich vor der Zugübergabe an Weiß nicht auf einem der Felder a5, b8, c8, e8, e7, f6, g7, h8 oder h2 befinden. Auch nicht unmittelbar einsichtig, oder?

Diagramm 13: Wert der Position mit Weiß am Zug in Abhängigkeit von der Position des schwarzen Königs
Diagramm 14: Wert der Position mit Schwarz am Zug in Abhängigkeit von der Position des schwarzen Königs

Ach empfiehlt, mal einen Blick in die Notation eines 7-Steiner-Endspiels auf Meisterebene zu werfen. Nicht selten wechselt dabei die Bewertung der Stellung mehrmals, bis zum Schluss der mit der glücklicheren Hand gewinnt. Kommentatoren kennen selbstverständlich die in Prinzipien gegossenen wahren Gründe. Bei 7- oder auch Mehr-als-7-Steinern.

Im Nebel oder im Dickicht der Varianten

Ach, hört Ach die Skeptiker sagen, was soll denn das mit der Zermelo-Lupe. Sie löst doch in den meisten der praktisch bedeutenden Fälle eine Position nicht in Gewinn-, Remis- oder Verlustzüge für jede Seite auf. Und das ist ja auch gut so. Wir wollen nämlich unser Schachspiel noch lange so haben, wie es ist, praktisch unlösbar, auf welchem spielerischen Niveau auch immer. Aber: Widerspruchsfrei – ohne Märchen – in der Lehre, so wie sich das Schachspiel unter einer zermelo-korrigierte Steinitz-Lupe darstellen würde.

Zur Demonstration ein Beispiel aus Achs Lieblingsbuch von R. Reti, „Die Meister des Schachbretts – Sämtliche Studien“. Es hat zwar schon einige Jahre auf dem Buckel, aber die Art und Weise, wie in diesem Werk Schach gelehrt und Partien kommentiert werden, ist – so Achs bescheidene Meinung -, nach wie vor vorbildlich, bis – Pardon -, auf eine kleine Korrektur, die möglicherweise aber weder den großen, noch den kleinen Meister zu interessieren scheint. Den großen Meister nicht, weil er es sowieso schon weiß, und den kleinen Meister nicht, weil er sich so wohl fühlt im Märchenland.

Ach wählt als Einleitung dazu Richard Retis Credo: „Es steckt viel mehr schachliche Wahrheit in den Ideen, als in den Varianten.“ Achs Grundhaltung dazu: Das mag sein, aber wenn die aktuelle Schachtheorie so voller wunderbarer Prinzipien ist, warum ist sie dann nur in den seltensten Fällen in der Lage, den (oder die) entscheidenden Fehler in einer Partie zu identifizieren? – Ein einziger Zug kippt eine Partie. Eine Zugfolge (Plan, Geschichte) verdeckt ihn eher, und verschleiert so die Analyse!

Nimzowitsch – Capablanca [B12], New York 1927

1.e4 c6 2.d4 d5 3.e5 Lf5 4.Ld3

Diagramm 15

An dieser Stelle der Partie bilanziert Reti die Stellungsmerkmale zu Gunsten von Schwarz: Raum (hier hat Weiß mehr davon), Figurenaktivität (hier verbiebe Weiß nach Läufertausch mit dem schlechten, Schwarz mit dem guten Läufer) und Felderschwächen (nach Läufertausch und dem stellungstypischen Bauerndurchbruch f2–f4–f5 verbliebe Weiß mit schwachen weißen Feldern im eigenen Lager). Reti sieht daher Schwarz eher im Vorteil. Da es aber keine kleinen Vorteile gibt, kann hier nur ein relativer Vorteil gemeint sein. Aber der ändert nichts an der absoluten Bewertung der Stellung (auch wenn sie nicht bekannt ist).

4…Lxd3 5.Dxd3 e6 6.Sc3 Db6 7.Sge2 c5 8.dxc5 Lxc5 9.0–0 Se7

Diagramm 16

Der Zug 9… Se7 erlaubt Weiß, seinen Springer auf c3 gegen den zuvor als gut bezeichneten schwarzen Läufer auf c5 zu tauschen. Nach dem Tausch verbleiben: Weißer Raumvorteil nebst Angriffsmöglichkeiten am Königsflügel gegen die Besetzung schwacher weißer Felder im Zentrum und am Damenflügel durch schwarze Figuren.

10.Sa4 Dc6 11.Sxc5 Dxc5 12.Le3 Dc7 13.f4 Sf5 14.c3 Sc6 15.Tad1

Diagramm 17

15…g6

Hier weist Reti darauf hin, dass auch 15… h5 den bisher erreichten (relativen) Positionsvorteil festgehalten hätte, und macht Capablancas Stil für den Textzug verantwortlich: „ … dass er kleine Nuancen bereits klar als reelle Vorteile erkennt und ihre Ausnutzung für ihn eine sichere und vielleicht eine nicht allzu mühevolle Sache der Technik ist.“ Da sich jedoch etwas, das es nicht gibt (kleine Vorteile), auch nicht zu einem Sieg addieren lässt, bleibt der Inhalt dieser Aussage für Ach leer. Reti fährt fort: „Bisweilen allerdings hat Capablanca dadurch auch schon Partien, die er hätte gewinnen können, zum Remis verflachen lassen.“ Das setzt voraus, dass er zuvor durch einen gegnerischen Fehler in diese Situation gekommen ist (nicht durch die Addition kleiner Vorteile, oder durch einen genialen Siegeszug), weil auch Capablanca keine Partie aus der Ausgangsstellung zum Sieg führen kann. Nach einem Fehler des Gegners hätte er die Partie aktiv durch einen „kleinen“ Fehler in eine Remisposition umwandeln können (ein „großer“ Fehler hätte ihn in eine Verlustposition geführt).

16.g4 Sxe3 17.Dxe3 h5 18.g5

Diagramm 18

Wenn Reti nun nicht mehr vom weißen Raumvorteil spricht, sondern von einer schwachen und löchrigen Bauernstruktur mit starken, weißen Feldern für Schwarz, dann muss etwas Wesentliches passiert sein, oder? Reti nennt das eine Transformation eines Vorteils in einen anderen!

Häufig sind es Positionsmerkmale und Materialverhältnisse, die ineinander umgewandelt werden! Ach gibt jedoch zu bedenken, dass eine solche Trennung künstlich ist. Eine Krücke im Dschungel der Varianten mit ihren immer konkreten Fallen. Erst am Ende des Spiels, im Falle eines Matts, steht fest, dass irgendwo in den Varianten, während irgendeiner Transformation, ein oder mehrere Fehler gelegen haben müssen, aber wo genau? Ach markiert die möglichen Stellen in der Folge durch das Zeichen “?!“, und benutzt dazu – es lebe der Widerspruch – eine Schachengine auf der Basis einer Steinitz-Lupe. Das mag in den Augen der Meister seltsam erscheinen, sie müssen sich jedoch daran gewöhnen, dass korrekte Züge (im Sinne der Zermelo-Lupe) oft fremd daherkommen, da ungewohnt, und unter der Steinitz-Lupe möglicherweise nicht lupenrein erscheinen.

18…0–0 19.Sd4?! Db6 20.Tf2 Tfc8 21.a3 Tc7 22.Td3 Sa5?! [22…Sxd4!?] 23.Te2 Te8 24.Kg2 Sc6

Diagramm 19

Reti: „Capablanca entdeckt nun den richtigen Plan … !“ Er nutzt die „schwachen“ weißen Felder c4 und e4 als Drehscheibe für seine Schwerfiguren, um letztlich über die zweite und erste Reihe in die weiße Stellung mit seiner Dame und den Türmen einzudringen. Das ist alles schön und gut. Aber es fehlt immer noch die Angabe eines entscheidenden Fehlers von Weiß, der diesen Plan zu einem Matt-Plan werden lässt.

25.Ted2 Tec8 26.Te2 Se7 27.Ted2 Tc4 28.Dh3 Kg7 29.Tf2 a5

Diagramm 20

30.Te2?! Warum die Dame ins Abseits schicken? Auf e3 hätte sie möglicherweise den weißen Plan ad absurdum geführt. [30.De3!?=]

30…Sf5 31.Sxf5+ gxf5 32.Df3?! Kg6 33.Ted2?! [Nach Ted2 wäre die Partie möglicherweise noch im Gleichgewicht.] 33…Te4 34.Td4 Tc4 35.Df2 Db5

Diagramm 21

Die kritische Position: Wahrscheinlich eine (=/+)-Position. Schwarz droht, zu gewinnen. Mittels Tcxd4 oder Texd4. Weiß hat aber mindestens einen Remiszug, der die Drohung von Schwarz neutralisiert. Ach bittet nun, diese Position mit derjenigen nach dem nächsten Zug von Weiß zu vergleichen. Beide Positionen unterscheiden sich lediglich in der Stellung des weißen Königs und dem Zugrecht. Zwei Unterschiede, von denen wir wissen, dass sie von entscheidender Bedeutung sein können.

36.Kg3?

Diagramm 22

Möglicherweise ein absoluter Fehler in einer (=/+)-Position, aus der heraus sich Weiß selbst eine vom Zugrecht unabhängige Verlustposition beschert: (–/+)-Position! Ach verweist nun auf das Diagramme 13, wo die Rolle der Position des Königs und des Zugrechts in einer 7–Steiner-Position – also einer im Vergleich zur hier betrachteten einfachen Position – durch farbige Felder dargestellt ist, und fragt: Auf welchem Feld – beispielsweise in der Nähe von b7 – könnte der schwarze König gefahrlos mit Weiß am Zug stehen? Vielleicht sieht ein Meister des Schachs die Auswirkungen der unterschiedlichen Positionen des Königs in den Diagrammen 13 und 22. Ach erkennt sie nicht!

36…Tcxd4 37.cxd4 Dc4 38.Kg2 b5

Reti: „Die weiße Dame und der weiße Turm sind an die Deckung der Bauern d4 und f4 und an die Deckung der zweiten Reihe derart gebunden, dass sie sich nicht rühren können. Wie werden sehen, wie Capablanca dadurch Gelegenheit findet, die Partie durch Zugzwang zu entscheiden.“ Ach: Niemand kann Nimzowitsch in Zugzwang bringen, auch Capablanca nicht. Das muss er selbst bewirkt haben. Durch einen (absoluten) Fehler. Der geschah durch Nimzowitsch möglicherweise im 36. Zug. Das ist nicht sicher, aber Retis Begründung ist falsch! Die von ihm als Zugzwangpositionen bezeichneten Positionen sind keine Zugzwangpositionen, also nicht vom Typ (–/–), (–/=) oder (=/–), sondern vom Typ (–/+). Das hat so wenig mit Zugzwang zu tun, wie die im Schach geregelte Zugpflicht kein Zugzwang ist! Allenfalls könnte Reti hier Zugzwang im Sinne von „Ausgehen guter Züge“ gemeint haben, was ja in einer Verluststellung der Fall ist, in der es nur Verlustzüge gibt. Aber würde Nimzowitsch sein Zugrecht auf Capablanca übertragen, stünde er immer noch auf Verlust.

39.Kg1 b4 40.axb4 axb4 41.Kg2 Dc1

Diagramm 23

42.Kg3–+ Dh1 43.Td3 Te1 44.Tf3 Td1

Diagramm 24

Reti: „Ein Tempozug, da Weiß sich wieder in Zugzwang befindet.“ Ach: Immer noch eine (–/+)-Position, also keine Zugzwangposition, sondern eine vom Zugrecht unabhängige Gewinnposition für Capablanca. Und was ist hier ein Tempo? Die Übergabe des Zugrechts an den Gegner, um ihn in Zugzwang zu bringen? Ach gibt zu bedenken, dass niemand in Zugzwang gebracht werden kann!

45.b3 Tc1 46.Te3 Tf1 0–1